✳ Implantologie

Implantate

Implantate ersetzen einzelne oder mehrere fehlende Zähne und geben Brücken und Prothesen festen Halt. Alles über Aufbau, Ablauf, Risiken und Pflege.

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Allgemeines über Implantate

Implantate können einzelne oder mehrere fehlende Zähne ersetzen. Außerdem können sie die Stütze für einen umfangreichen festsitzenden (Brücken) oder herausnehmbaren Zahnersatz (Prothesen) bilden, wenn nicht mehr genug eigene Zähne vorhanden sind.

  • Titangewebefreundlich und biokompatibel
  • 2–6 MonateEinheilphase, je nach Kiefer
  • alle 3–6 MonateKontrolle für langen Erfolg

Vorher und nachher. Wie eine Implantatbehandlung bei uns aussieht, zeigen wir an Beispielen aus unserer Ordination. Bilder ansehen

Aufbau eines Implantats

Ein Implantat besteht aus drei Teilen:

  • dem Implantatkörper, der in den Knochen eingebracht wird
  • dem Aufbauteil (Pfosten, Abutment), an dem die Zahnkrone befestigt wird
  • der Krone oder einer Haltestruktur für eine Prothese

Man unterscheidet zweiteilige und einteilige Implantatsysteme. Bei zweiteiligen Implantaten sind Implantatkörper und Aufbauteil getrennt, bei einteiligen ist beides aus einem Stück. Zweiteilige Implantate werden häufig verwendet, weil das Implantat während der Einheilphase nicht belastet wird.

Materialien und Implantatsysteme

Als Material für Zahnimplantate wird meist hochreines Titan verwendet. Es ist besonders gewebefreundlich (biokompatibel) und bildet mit dem Knochen einen sicheren Verbund (Osseointegration). Titan verhält sich biologisch neutral und löst keine allergischen Reaktionen oder Fremdkörperreaktionen aus.

Bewährt haben sich besonders zylindrische und schraubenförmige Implantate. Der Hohlraum im Kieferknochen wird mit rotierenden Instrumenten angelegt. Dieses Vorgehen ist vergleichsweise einfach und schnell, belastet den Patienten weniger als andere Techniken und führt nur selten zu Komplikationen bei der Wundheilung. Schraubenimplantate sitzen durch ihr Gewinde sofort fest im Knochen (Primärstabilität). Das verkürzt die Einheilzeit, weil nur wenig Knochen nachwachsen muss.

Wann ist ein Implantat sinnvoll?

Zahnimplantate ersetzen fehlende Zähne. Theoretisch kann jeder verlorene Zahn durch ein Implantat ersetzt werden. Bei einzelnen Zähnen ist das sicherlich sinnvoll, bei völliger Zahnlosigkeit aber nicht notwendig: Selbst für eine festsitzende Brücke reichen in der Regel 4 bis 8 Implantate pro Kiefer. Mehr Implantate bringen meist keine weitere Verbesserung. Der Ersatz eines einzelnen Zahnes macht etwa 10 bis 20 % aller Implantationen aus.

Vorteile von Implantaten

  • Der Knochen bleibt erhalten, der ohne Belastung abgebaut würde
  • Gesunde Nachbarzähne werden geschont
  • Fester Halt für Zahnersatz
  • Sehr gute Therapie bei Zahnverlust durch Parodontitis
  • Meist ein risikoarmer Routineeingriff
  • Gesicherte Biokompatibilität
  • Gute bis sehr gute Prognose
  • Wirtschaftlich dank langer Haltbarkeit

Gegenanzeigen

Allgemeinmedizinische Gegenanzeigen
  • Rauchen
  • Medikamente, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen, z. B. Bisphosphonate
  • Eine unbehandelte oder nicht gut eingestellte Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Eine geschwächte Immunabwehr, durch Krankheit oder Medikamente (z. B. Kortison, Zytostatika)
  • Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Allgemeine Erkrankungen des Bindegewebes oder Knochens (z. B. rheumatische Erkrankungen)
  • Bestimmte psychische Erkrankungen

Bei Rauchern ist der kurzfristige Einheilerfolg geringer, das Risiko eines Implantatverlusts kann bis zum Vierfachen erhöht sein. Auch der langfristige Erfolg ist geringer. Daher können Zahnärzte bei Rauchern keine Garantie für den Erfolg einer Implantation geben.

Örtliche Gegenanzeigen und was wir dagegen tun
  • Zu wenig Knochen: Knochenaufbau (Augmentation)
  • Schlechte Knochenqualität: geeignete Implantationstechnik, knochenverdichtende Verfahren
  • Nähe zu wichtigen Strukturen wie Nerven oder Nachbarwurzeln: geeignete Technik und bildgebende, ggf. computergestützte Verfahren
  • Erkrankungen von Kieferknochen, Mundschleimhaut oder Zahnhalteapparat: Behandlung der Grunderkrankung
  • Ungeklärte Schmerzen im Kieferbereich: Diagnostik und Behandlung der Ursache
  • Ungünstige Bissverhältnisse, z. B. zu wenig Platz für eine Krone: ggf. kieferorthopädische oder chirurgische Maßnahmen
  • Zähneknirschen (Bruxismus): Schienentherapie
  • Kieferwachstum noch nicht abgeschlossen: abwarten

Diese Umstände verbieten eine Implantation meist nicht, machen aber oft vorbereitende Maßnahmen notwendig. Eine sorgfältige Untersuchung und Aufklärung vor der Behandlung ist dabei Voraussetzung.

Risiken bei der Implantation

Viele Patienten sorgen sich, dass es bei der Behandlung zu Komplikationen wie einem Implantatverlust kommen kann. Insgesamt zählt eine Implantation aber zu den risikoarmen Eingriffen. Das Risiko eines frühen Implantatverlusts liegt bei unkomplizierten Verhältnissen bei etwa 5 %. Nach einer gründlichen Untersuchung lässt sich Ihr persönliches Risiko gut einschätzen, und Probleme durch besondere anatomische Gegebenheiten können weitgehend vermieden werden. Wir klären Sie darüber ausführlich auf.

Spätkomplikationen und Periimplantitis

Spätkomplikationen sind selten und meist auf chronische Infekte zurückzuführen. Häufiger treten sie bei Rauchern und bei bestimmten Allgemeinerkrankungen auf.

Die Periimplantitis ähnelt der Parodontitis am natürlichen Zahn. Auch an Implantaten lagern sich Beläge ab. Werden sie nicht gründlich entfernt, entsteht zunächst eine Zahnfleischentzündung (Mukositis), die nach Entfernung der Beläge meist komplikationslos ausheilt. Bleiben die Beläge, greift die Entzündung auf den Knochen über, das Implantat lockert sich und kann im schlimmsten Fall verloren gehen. Deshalb ist eine optimale Mundhygiene so wichtig.

Die Behandlung einer Periimplantitis ist schwieriger als beim natürlichen Zahn, weil die Reinigung die Oberfläche des Implantats schädigen kann. Neben der mechanischen Reinigung kann eine gezielte Antibiotika-Therapie sinnvoll sein.

Was passiert bei einem Implantatverlust?

Ein Implantatverlust ist selten, aber enttäuschend. Der Knochendefekt kann durch Knochenneubildung wieder verschlossen werden, sodass einer erneuten Implantation in der Regel nichts im Weg steht. Auch herkömmlicher Zahnersatz wie eine Brücke bleibt weiterhin möglich.

Der Eingriff: die Implantation

Vorbereitung

Vor der Implantation sollte die Mundhygiene optimiert und, wenn möglich, das Rauchen aufgegeben werden. Zahnfleischentzündung, Parodontitis und Diabetes müssen zuerst behandelt werden, und die Kariestherapie sollte abgeschlossen sein. Vor dem Eingriff wird die Mundhöhle mit einer antiseptischen Mundspülung (z. B. Chlorhexidin) desinfiziert. Eine vorbeugende Antibiotika-Gabe wird empfohlen, um Entzündungen zu verhindern.

Knochenaufbau (Augmentation)

Ist nicht genügend Knochen vorhanden, wird er vor der Implantation aufgebaut. Dazu wird körpereigener Knochen, Knochenersatzmaterial oder beides eingebracht. Dort entsteht nach und nach belastbarer Kieferknochen.

Die Implantation

Das Implantat wird wie eine künstliche Zahnwurzel in den Kieferknochen eingesetzt, meist unter örtlicher Betäubung. Die Schleimhaut wird zur Seite gelegt und das Implantatbett schrittweise vorbereitet, mit geringer Drehzahl und ständiger Kühlung, damit sich der Knochen nicht überhitzt. Danach wird das Zahnfleisch wieder vernäht. Die Wundheilung ist normalerweise nach zehn Tagen abgeschlossen.

Einheilung und Zahnersatz

Während der Einheilphase tragen Sie meist einen provisorischen Zahnersatz. Im Oberkiefer dauert sie durchschnittlich 3 bis 6 Monate, im Unterkiefer 2 bis 3 Monate. In manchen Fällen ist auch eine Sofortbelastung möglich. Danach wird das Implantat freigelegt, und der endgültige Zahnersatz wird angefertigt und eingesetzt.

Nachsorge und Implantatpflege

Direkt nach dem Eingriff sollte die Operationsstelle nicht belastet und nicht mit einer harten Zahnbürste gereinigt werden. Das restliche Gebiss muss dagegen sehr sorgfältig gepflegt werden. Eine antiseptische Mundspülung unterstützt die Heilung.

Implantate sollten alle 3 bis 6 Monate kontrolliert werden, denn früh erkannte Entzündungen lassen sich viel besser behandeln. Zur Pflege empfehlen wir zusätzlich zur Zahnbürste spezielle Zahnseide oder Interdentalbürstchen. Unser Praxisteam berät Sie gerne, damit Sie viele Jahre Freude an Ihrem Implantat haben.

Checkliste zur Implantation

Vorbereitung: Mundhygiene optimieren, Risikofaktoren reduzieren (z. B. Rauchverzicht), Entzündungen im Mund behandeln lassen.

Zum Eingriff: Antibiotikum nach Verordnung, antiseptische Mundspülung, Kühlpack vorbereiten, eventuell Schmerzmittel.

Direkt danach: vorsichtige Mundhygiene ohne harte Zahnbürste, Wundbereich auslassen, Mundspülung, kühlen.

Auf Dauer: sorgfältige Mundhygiene, Zahnseide oder Interdentalbürstchen, regelmäßige Kontrolltermine.